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Zu Besuch bei Peter Bichsel
MH. Bibliothek Spiez und Volkshochschule Spiez-Niedersimmental organisierten zum vierten Mal gemeinsam ein Kultur-Wochenende am Wohn- und Wirkungsort eines Schweizer Autors bzw. einer Autorin.
Nach den „Treffpunkten“ Olten (Alex Capus), Verscio (Eveline Hasler und Clown Dimitri) und Basel (Hansjörg Schneider) führte die Reise dieses Jahr nach Solothurn zu Peter Bichsel. Einen Monat nach seinem 75. Geburtstag empfing der wohl bekannteste lebende Schweizer Schriftsteller die muntere Schar aus Spiez – dreimal 11 Personen! – zum Gespräch.

Pünktlich drei Minuten vor der vereinbarten Zeit steht er da, vor dem Restaurant „Kreuz“, seiner Stammbeiz: mit seinen Accessoires, den grossen runden Brillengläsern und den verschmitzt-melancholischen Augen dahinter, mit dem schwarzen Gilet und der Schirmmütze. Zur Begrüssung liest er die Titelgeschichte aus dem Bändchen „Der Busant“, eine Solothurner Geschichte. „Busant“ heisst ein reicher Heimwehsolothurner, mit dessen Geld Solothurns Altstadt “schöngemacht” (und unbewohnbar) wird. „Busant“ ist aber auch der Name des Vogels in der mittelalterlichen Geschichte von der schönen Magelone und dem Grafen Peter von Provence, die Geschichte einer lebenslangen Liebe und Suche. Und die schöne Magelone ist nicht nur eine Königstochter aus dem fernen Neapel, sondern auch eine ewig betrunkene Sekretärin oder Serviertochter aus dem heutigen Solothurn …
Dann stellt er sich dem Interview mit Bernhard Hauck, der es versteht, mit wenigen behutsamen Fragen die Zunge des Autors zu lösen. Zum Beispiel so: „Peter Bichsel – der Christ?“ Was hat Bichsel - der bekennende Sozialist - mit Religion am Hut? Viel. Immer wieder hat er sich zu religiösen Themen geäussert: in Kolumnen, Erzählungen, Laienpredigten. Zwar wisse er nicht, ob er an Gott glaube, aber er brauche ihn, «damit das, was hier ist, nicht alles ist und damit es sinnvoll ist, dass diese Welt mich überlebt». Peter Bichsel spricht „Über Gott und die Welt“ (so der Titel seiner neusten Kolumnensammlung) und über «die Verpflichtung des Christen zur Politik». Mit seiner warmen Stimme, seinem nachdenklich-zögernden Formulieren schlägt er die Zuhörenden augenblicklich in seinen Bann. „Peter Bichsel – der Filmstar?“ Für den soeben in die Kinos gekommenen Film „Zimmer 202“ liess sich Bichsel von Regisseur Eric Bergkraut überreden, im Alter von 75 Jahren zum ersten Mal in seinem Leben nach Paris zu reisen. Die Reise führte ihn bis ins Zimmer 202 im Hotel «Gare de l'Est» im gleichnamigen Bahnhof, weiter aber nicht. Und jetzt erzählt er den Anwesenden von diesem seinem „Abenteuer“ und schwärmt von der Filmmusik der jungen Sophie Hunger.
Überhaupt die Jugend! Bichsel mag nicht ins Lamento der Alten über die Verwahrlosung und Verrohung der heutigen Jugend einstimmen. Er weiss, dass die ersten negativen Berichte bereits aus dem alten Aegypten stammen, dann folgten die Griechen und Römer. Die Tradition wird bis heute fortgesetzt. Glaubt man all diesen Berichten, so verroht die Jugend seit dreitausend Jahren unaufhörlich. Zustimmendes Nicken bei vielen aus der Reisegruppe.
Diese scheinbare Zustimmung gerät allerdings gleich darauf arg ins Wanken, als sich die Gruppe zur St. Ursen-Kathedrale begibt zum Orgelkonzert des ehemaligen Domorganisten Bruno Eberhard und zur Orgelbesichtigung. Denn auf der Treppe vor der Kathedrale lagert eine Schar bunt aufgemachter Jugendlicher, neben, hinter und vor sich Batterien von Bierflaschen und -büchsen, Scherben, leere Pizzaschachteln und anderes Verpackungsmaterial: Müll unserer Konsumgesellschaft. „Aber haben diese Jugendlichen das alles produziert?“, würde Bichsel wohl jetzt fragen.
Der Samstagabend klang aus mit einem Theaterbesuch im Kleintheater Mausefalle, wo das Stück „EiferSucht“ von Esther Vilar gegeben wurde, ein etwas wortlastiges „Drama für drei PCs“ mit gewissen Längen und dramaturgischen Schwächen.
Am Sonntag stand dann noch eine Altstadtführung bei prachtvollem Frühlingswetter an. Da vernahm man unter anderem, was es mit der magischen Zahl 11 in der „Elfer-Stadt“ Solothurn auf sich hat und warum der „Füdlistein“, ein Steinblock aus weissem Jurakalkstein in Form eines nackten Hintern, einst über dem Torbogen des Berntors prangte.
Mario Haldemann, Höheweg 10, 3700 Spiez
Bis heute hat stattgefunden ...
| Gast |
Datum |
Kurz gesagt: |
| Treffpunkt Solothurn |
24./25.4.2010 |
mit Peter Bichsel |
| Hilde Domin «Deine Stimme, die mich umarmt hat» |
20.11.2009 |
von und mit Vera Bauer |
| Erzählnacht |
13.11.2009 |
«Als die Welt noch jung war» |
| Treffpunkt Basel |
25./26.04.2009 |
mit Hansjörg Schneider |
| Erzählnacht |
09.11.2008 |
Thema: «Geschichten vom Wasser» |
| Treffpunkt in Verscio |
26./27.04.2008 |
Dimitri und Evelyne Hasler |
| Erzählnacht |
9.11.2007 |
«Was für ein Fest!» |
| Treffpunkt Olten |
05./06.05.2007 |
Alex Capus |
| Erzählnacht |
10.11.2006 |
Thema: „Freunde? Freunde!“ |
| Barbara und Markus Traber |
27.09.2006 |
Härzchlopfe u weichi Chnöi sowie alte und neue Chansons. |
| Zwei tibetische Nonnen zu Besuch in Spiez |
16.11.2005 |
Eine Begegnung der besonderen Art: Zwei tibetische Nonnen berichten über ihren Klosteralltag und die Frauenbewegung im tiebetischen Buddhismus. |
| Erzählnacht |
11.11.2005 |
Thema: „Erzähl mir die Welt“ |
| Geschichtenwettbewerb: Schloss Geschichten, Geschichten Schloss |
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Mehr als 100 SchülerInnen haben Texte eingereicht welche von einer Jury bewertet wurden. |
| Welttag des Buches: PolitikerInnen lesen |
23.04.2005 |
NR Evi Allemann, NR Paul Günter, GR Christine Häsler und GR Klaus Brenzikofer stellen je ein Buch vor. |
| Erzählnacht |
12.11.2004 |
Thema: „Vater, Mutter ich und sie“ |
| Erzählnacht |
14.11.2003 |
Thema: „Wenn einer eine Reise tut“ |
| Künstler-Begegnung mit Filip Haag |
30.10.2002 |
Filip Haag nahm seine Gäste mit in eine fast unbekannte Künsterwelt. |
| Begegnung mit Chrüter-Oski |
08.11.2001 |
„Ein Poet am Herd“ |
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